Aufstellungsarbeit / Anliegen-Aufstellen
Wozu dienen Aufstellungen?

Eine Aufstellung ist im wahrsten Sinne des Wortes eine innere Standortbestimmung.

Sie kann in der Einzelarbeit mit Hilfsmitteln, in einer Gruppe mit einem oder mehreren menschlichen StellvertreterInnen, auch ResonanzgeberInnen genannt, oder bei geübten Menschen auch auf der eigenen inneren Bühne als Trance durchgeführt werden.
Jede Herangehensweise ist wirksam, denn sie gibt den wandlungsbereiten inneren Anteilen Raum, Schutz und Gelegenheit, in den Prozeß zu gehen. Dabei achtet die Aufstellungsleitung darauf, daß der Prozeß in einem der Tiefe des Prozesses angemessenen Tempo geschieht und die gemachte Erfahrung auf allen Ebenen – körperlich, seelisch und geistig - integriert werden kann.

Das Grundprinzip der Aufstellungsarbeit
Jeder Mensch verfügt über ein eigenes inneres Bild von sich und seiner Welt. Es erwächst in den ersten Lebensjahren und der frühen Reife aus den gemachten eigenen Erfahrungen, bewußten und unbewußten familiären Überlieferungen und einem archetypischen und für alle Menschen verbindlichen kollektiven Ordnungssystem. Dieses Bild ist der innere Maßstab für unser Handeln, Denken und Fühlen und leitet uns im Leben. Die Aufstellungsarbeit trägt dazu bei, dieses innere Bild beschaubar zu machen, die innere Dynamik zu spüren und dem Geschehen so eine Anpassung an die heutigen Gegebenheiten zu ermöglichen.

Wo macht Aufstellen Sinn?
Wer kennt das nicht, sich wieder und wieder in vergleichbar aussichtslosen Situationen nach dem gleichen Strickmuster wiederzufinden? Häufig ergeben sich solche Sackgassen oder Konflikte aus unwillkürlichen Verwechslungen von alten unbefriedigend gelösten Erlebnissen mit neuen Situationen. Dann ist der Mensch im Alten wie gefangen, Blockaden oder Konflikte in privaten oder beruflichen Beziehungen erscheinen unlösbar, oder die Gesundheit leidet. 
Während der Aufstellung wird das persönliche, dem zugrunde liegende innere Bild sichtbar. Diese lösungsorientierte Offenbarung der Seele benötigt einen geschützen Raum und eine wohlmeinende Betrachtung. Nicht selten zeigt sich etwas, das die Aufstellenden überrascht. So kommen sie mit einem tiefen Wissen in Verbindung, das ihnen bisher verschlossen war. Sie können Klarheit für sich und Perspektiven für Lösungen finden.

Wer stellt für wen auf?
Oft liegen uns die Leiden unserer Lieben mehr am Herzen als unsere eigenen. So sehr wir auch helfen möchten: Wir können nur eigene Anliegen aufstellen, die uns selbst zum Ziel haben!
... aber glücklicherweise ist es ein Lebensgesetz, dass die Veränderung eines Teils im System immer auf alle anderen Teile des Systems Auswirkungen hat. Auf diese Weise wird ein natürlicher Entwicklungsprozeß in Gang gesetzt, der die eigenen Grenzen und die Grenzen der anderen im System respektiert. Also kann jeder Mensch bei sich selbst anfangen und sich überraschen lassen, wie das Leben sich dann weiter entwickelt.

Sind Aufstellungen gefährlich?
Wenn Aufstellungen mit der gehörigen Achtsamkeit und in der Tiefe und in dem Tempo geleitet werden, die von der aufstellenden Person vorgegeben werden, ist sicher gestellt, dass sich gerade so viel zeigt, wie jetzt verkraftbar und wandelbar ist. Das ist ein emotional berührendes Geschehen-lassen.
Sogenannte zielorientierte Interventionen, Erklärungsversuche oder gar Interpretationen der Aufstellungsleitung sind niemals förderlich. Durch die entsprechende achtsame Haltung und die psychologische Erfahrung von Aufstellungsleitungen gewinnen Aufstellungen seit geraumer Zeit als Instrument in der Trauma-Therapie zunehmend an Bedeutung. Sie bieten einen schützenden Rahmen für die sachte Begegnung mit dem im Trauma gebundenen Energiepotezial.

Zu guter Letzt ist ganz wichtig:
Eine Aufstellung ist eine begleitete, aktive und eigenverantwortliche Handlung der Aufstellenden, bei der das Wohl der Aufstellenden während und nach der Arbeit an erster Stelle steht. Eine Aufstellung ist eine Ergänzug zu einer Heilbehandlung.